Mondzeit


Mondzeit – Zeit der Visionen

 
© Inspirationen 2/2018 © Irdana-VerlagLange kam einfach nur irgendwann das Blut. Ich wusste zwar stets ungefähr, wann meine monatliche Blutung das nächste Mal einsetzen würde und doch spürte ich keinerlei Beziehung zu ihr. Bis ich begann, mich intensiver mit meinem weiblichen Zyklus zu beschäftigen. Bis ich erfuhr und erkannte, ja, vor allem selbst spürte, dass mir im Verlauf jeden Monats vier Jahreszeiten innewohnten: der innere Frühling (nach der Blutung bis zum Eisprung), der innere Sommer (um den Eisprung), der innere Herbst (vor der Blutung) und der innere Winter (während der Blutung).

Vier Jahreszeiten, die es mir ermöglichen, mich jeden Monat in vier unterschiedlichen Qualitäten selbst zu erfahren. Den Wert zu erkennen, den jede innere Jahreszeit mit sich bringt – und damit auch der Zeit der Blutung, der Menstruation, der Mondzeit einen neuen Stellenwert und eine heilsame Kraft zurückzugeben.

Was will gesehen werden?

Nach mehreren Monaten des Aufschreibens in Zyklusrädern, des Notierens, wie ich mich an welchem Zyklustag (mit dem Zählen beginne ich an dem Tag, an dem die Blutung normal stark da ist) fühle, was mich bewegt und wie es mir geht, stelle ich fest: Tatsächlich habe ich während sowie kurz vor der Menstruation die intensivsten Träume. Ich spüre das Bedürfnis mich zurückzuziehen, loszulassen, was ich den Monat über bewegt habe. Ganz still zu werden und zu lauschen: Was zeigt sich als wichtig und wesentlich? Was will im nächsten Monat gelebt werden? Worum geht es jetzt? Was will gesehen werden?

Es ist für mich eine Zeit des Lauschens, Stillwerdens und Visionierens, wie sie in manchen Völkern schon immer gelebt wurde und teilweise heutzutage noch gelebt wird. Nehme ich mir die Zeit, mich während meiner Blutung ein wenig mehr als sonst mit mir selbst zu beschäftigen, mich zurückzuziehen vom Alltagsgeschehen und meine Aufmerksamkeit zurück zu mir, nach innen zu nehmen, vermag die Zeit der Blutung eine wertvolle, weise Zeit zu werden.

Verbunden mit mir

Ich gewinne Einsichten und Visionen, kann diese aufschreiben, aufmalen und mit in den neuen Mondmonat nehmen, darin umsetzen, wenn die Zeit des inneren Frühlings wieder gekommen ist. Es ist die Einladung, mich wieder mit mir selbst, mit meinem Spüren und meiner Spiritualität zu verbinden – Monat für Monat – und mein Eingebundensein zwischen Himmel und Erde zu erinnern.

Ich merke: Ich mag weiterforschen. Neugierig schauend, was mir noch begegnet in dieser zutiefst weiblichen, kraftvollen, heilsamen und wandlungsbaren Mondzeit.

Und wie schön, wenn wir einander als Frauen von Herzen vielleicht schon jetzt oder ganz bald für diese Tage eine ganz schöne Mondzeit wünschen können.

Von Herzen,
Sabrina Gundert


2 Comments

  • Felicia

    24/07/2018 at 21:25 Antworten

    Danke, Sabrina, dass Du diese wunderbaren Gedanken teilst. Welch eine hilfreiche und wertvolle Anregung. So kann der Zyklus einen bedeutsamen Stellenwert bekommen. Ein Rhythmus des Werdens und Vergehens, so wie das Jahr und das Leben. Für mich selbst war die Blutung leider nur ein unvermeidliches Übel, das Schwangerschaft anzeigte oder eben nicht. Ich hab den Zyklus ignoriert oder mit dem Notwendigen (Binden, Tampons) versorgt. Nun bin ich in der Menopause, und ich spüre beim Lesen über Deine Mondzeit, dass mir selbst eine unwiderbringliche Zeit verloren gegangen ist.

  • Susanne Broos

    26/07/2018 at 12:13 Antworten

    Liebe Felicia, danke für deinen Kommentar. Auch bin in der Menopause und finde es vor allem nach dem Lesen von Sabrinas »Mondzeit« schade, dass meine Menstruation eben »meine Tage« waren. Gleichwohl habe ich immer noch das Gefühl, wenn ich genau hinspüre, einen monatlichen Zyklus zu haben. Und wünsche mir, dass mein Gespür dafür noch feiner wird.

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